Uns selbst vergeben

Uns selbst vergeben

„Ich habe noch nie gesehen, dass sich jemand in eine konstruktive Richtung entwickelt oder verändert hätte, der durch Schuld, Scham und/oder Hass motiviert war.“ – William Goldberg

Jedes Mal, wenn Sie etwas sagen oder tun, versuchen Sie ein Bedürfnis zu erfüllen. Hier ist ein Beispiel: Sie telefonieren mit einer Freundin, die Sie zur Frühstückszeit angerufen hat, und Ihre Cornflakes werden mit jeder Sekunde matschiger. Mit ungeduldiger Stimme sagen Sie: „Ich muss los! Meinst du, du kommst damit alleine klar?“ Nachdem Sie aufgelegt haben spüren Sie Bedauern.

Vergebung beginnt damit, dass wir die Bedürfnisse anerkennen, die wir in der Situation zu erfüllen versuchten. Es geht nicht darum, unsere Handlungen zu rationalisieren, sondern vielmehr um die einfache Verbindung zu unseren Bedürfnissen. In diesem Beispiel könnte unser Bedürfnis das nach einer bestimmten Konsistenz oder einem Geschmack unseres Frühstücks gewesen sein. Oder vielleicht hängt das Bedürfnis mit bestimmten Werten zusammen: Wir wollen kein Essen vergeuden. Wurde diese Verbindung einmal hergestellt, ist es erstaunlich, wie erleichtert wir uns fühlen – nur durch das Wissen, dass wir unsere Bedürfnisse erfüllen wollten. Dann können wir unser Bedauern über unser Verhalten zugeben und überlegen, wie wir es beim nächsten Mal anders machen könnten. Das bedeutet gewissermaßen das Anerkennen beider Anteile – des Teils, der ein Bedürfnis erfüllen wollte, und des Teils, der die Handlung ausführte, die wir bedauern. Geben wir uns selbst dieses Mitgefühl, kann das eine wirksame Motivation zur Veränderung sein. Beim nächsten Mal könnten wir sagen: „Meine Cornflakes sind durchweicht, und ich möchte mein Essen nicht verschwenden. Ist es in Ordnung für dich, wenn ich dich in ein paar Minuten zurückrufe und wir dann weiterreden?“

Mary Mackenzie: In Frieden leben (Junfermann 2007)

Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders für das wir uns herzlich bedanken.