Geschichte des Fachverbandes

 

Ein Bericht von Ingrid Holler und Irmgard Macke

Was war der Auslöser für die Entstehung des Fachverbandes?

Im Sommer 2006 stoppte das CNVC seine Neu-Zertifizierung von GFK- TrainerInnen – ohne Vorankündigung oder Angabe von Gründen. Bis dahin hatte Isolde Teschner viele Jahre mit großem ehrenamtlichem Engagement die Zertifizierungsprozesse der Kandidaten und Kandidatinnen betreut. Damit war umgehend Schluss.
Von diesem Stopp waren auch KollegInnen betroffen, die bereits im Zertifizierungsverfahren waren.

Die Unklarheit über die Gründe und auch darüber, ob, wann und wie es mit einer Qualitätssicherung weitergeht, hatte verschiedene Auswirkungen: Manche waren verunsichert, andere unzufrieden, wieder andere boten jetzt auch ohne Qualitätsnachweis verstärkt GFK-Trainings an. Die Bedürfnisse nach Klarheit, Verbindung, auch Einbezogen werden u.v.m. standen im Raum.
Im Sommer 2008 wurden dann verschiedene TrainerInnen vom CNVC zu einem Treffen mit Marshall Rosenberg nach Stuttgart gebeten. Es sollten Verantwortliche (AssessorInnen) für die CNVC-Zertifizierung geschult werden. Zwei Gründungsmitglieder des Fachverbandes wurden von Marshall Rosenberg persönlich dazu eingeladen. Am Ende des Treffens gab es die Zusage, noch 2008 eine Auskunft vom CNVC über das weitere Vorgehen zu erhalten.

Nachdem über ein Jahr hinweg auch nach mehrmaligen Nachfragen beim CNVC keine Reaktion zu diesem Thema kam, zogen sich die beiden Gründungsmitglieder zurück. Verlässlichkeit, Klarheit, Entwicklung, Gemeinschaft: zu viele Bedürfnisse blieben unerfüllt. Hinzu kam eine Unzufriedenheit über die Re-Zertifizierung des CNCV, die sich jährlich änderte ohne jegliche Mitsprachemöglichkeit. Es blieb die Sorge um die fehlende Qualitätssicherung und erste Gedanken und Gespräche dazu, was wir vor Ort dazu beitragen können, nachdem drei von uns seit vielen Jahren als CNVC-zertifizierte GFK-Trainerinnen arbeiteten. Die notwendige Erfahrung hatten wir.

Konkreter Auslöser, die Zertifizierung selbst in die Hand zu nehmen und vor Ort einen noch aktiveren Beitrag für die Verbreitung der GFK zu leisten, war ein Open Space Angebot beim Trainertreffen im Februar 2010 in München. Es ging darum, die Entscheidungsmethode des Konsensierens vorzustellen am Thema „Umgang mit Zertifizierungsstopp“. Der Vorschlag, der die meiste Ablehnung erhielt, lautete: „Das Schlimmste wäre, alles bliebe wie es ist“ – d.h., keine/r der Teilnehmenden wollte, dass es so bleibt wie es ist. Das motivierte uns, vier Jahre nach dem Stopp, selbst Verantwortung zu übernehmen und einen GFK-Verband zu schaffen, durch den dieser Zustand beendet wird und mit dem wir die Möglichkeit schaffen, die „offenen“ Bedürfnisse zu erfüllen:

Zugehörigkeit, Gemeinschaft

  • Bei uns sind alle willkommen, die die GFK schätzen, als Vollmitglieder, anerkannt und auch (noch) nicht anerkannt, Fördermitglieder, als fördernde Organisationen.

Mitgestaltung, Mitsprache

  • Durch die Rechtsform „Verein“ ist die Mitgliederversammlung das höchste entscheidende Organ und so können alle mitentscheiden/-gestalten. Im Vorstand/ erweiterten Vorstand und bei Projekten ist jede/r herzlich willkommen, weil es für uns Gemeinschaft und Unterstützung bedeutet.

Transparenz, Klarheit

  • In unserem Anerkennungsverfahren sind der Besuch von Seminaren und das Anerkennungsverfahren ganz klar voneinander getrennt, um möglichst Neutralität zu gewährleisten. Die Betreuung der Anerkennungsverfahren geschieht ehrenamtlich durch jeweils zwei Mitglieder der Anerkennungskommission, die den/die KandidatIn möglichst nicht kennen und sie/ihn ehrenamtlich begleiten.
  • Die Anerkennungsgebühr beträgt 250 Euro und kommt dem Fachverband zugute. Die Re-Anerkennung erfolgt alle fünf Jahre. Kosten 150 Euro.

Verlässlichkeit

  • Die Voraussetzungen für Anerkennung und Re-Anerkennung sind verlässlich, Änderungen können nur auf einer Mitgliederversammlung beschlossen werden.

Kontakt

  • Wir haben eine Geschäftsstelle, die Anfragen innerhalb von 48 Stunden beantwortet.

Wer sind die Gründungsmitglieder?

Wir sprachen eine Reihe von KollegInnen für den Aufbau und die Mitgestaltung des Fachverbands an. Bereit erklärten sich: Beate Brüggemeier (8 Jahre CNCV-zertifiziert), Ingrid Holler (10 Jahre CNCV-zertifiziert und kontinuierliche ehrenamtliche Tätigkeit für das CNVC), Martin Irlinger, Gabriele Lindemann (8 Jahre CNCV-zertifiziert), Irmgard Macke, Robert Macke (beide mehrere Jahre in einer Gruppe zur Vorbereitung auf die Zertifizierung), Andi Schmidbauer (mitten im Zertifizierungsprozess „gestoppt“).

Welche Herausforderungen waren zu bewältigen?

Aus Wertschätzung der GFK gegenüber und weil wir das mögen, war und ist uns ein professioneller Auftritt wichtig. Im Aufbaujahr investierten die sieben Gründungsmitglieder insgesamt ein
Personenjahr Arbeit, das sind ca. 1800 Stunden. Dazu gehörte:

  • Organisationsstrukturen aufbauen (Satzung, Anmeldung beim Registergericht etc.)
  • Anerkennungsverfahren entwickeln
  • dazu Vorlagen und Leitfäden erstellen
  • Corporate Identity entwickeln, Logo etc.
  • Webseite und Flyer gestalten
  • Dokumentvorlagen erstellen
  • Zukunftsvisionen entwickeln, z.B. Fachtagungen anbieten
  • Neue Zielgruppen ansprechen

Dabei wurde und wird unsere Arbeit durch ein großes Vertrauen getragen: Wir haben die GFK und können über alles sprechen und gemeinsame Lösungen finden. Die GFK war und ist Grundlage unserer Arbeit und wir sind immer wieder dankbar, wenn wir erleben, was durch sie alles möglich wird.

Wie wurde der Fachverband bekannt gemacht?

Zeitgleich im Februar 2011 stellte jedes Gründungsmitglied persönlich den Fachverband den TrainerkollegInnen vor Ort vor. Alle uns bekannten KollegInnen im In- und Ausland informierten wir gleichzeitig durch persönliche Briefe über die Neugründung; die GFK Interessierten auch über Mails an die yahoo groups: ngfk und gfk-Trainer. Besonders wichtig war es uns, Marshall Rosenberg und das CNVC ebenfalls zeitgleich zu informieren. Um direkt in Verbindung zu kommen boten wir an, zu einem persönlichen Gespräch in die USA zu reisen. Leider erhielten wir dazu keine Rückmeldung.

Darüber hinaus stellten wir beim TrainerInnentreffen in München 2011 gemeinsam den Fachverband vor. Bei den Anwesenden wurden sehr unterschiedliche Gefühle ausgelöst: Viele waren begeistert und freuten sich, weil sich für sie z.B. Vorwärtskommen und Transparenz erfüllte, und so gewannen wir gleich eine Reihe neuer Mitglieder. Andere waren unangenehm berührt und traurig, weil sie gerne in den Entwicklungsprozess des Fachverbands mit einbezogen worden wären. Unsere Aufbaustrategie war anders, als es manche gerne gehabt hätten. Wir vertrauen auf die Verbindung über die Bedürfnisse und sind seit Gründung des Fachverbands mit KollegInnen immer wieder im Gespräch.

Kurz bevor wir mit dem Fachverband an die Öffentlichkeit gingen, wurde es nach über vier Jahren des Stopps Ende 2010 wieder möglich, sich beim CNVC neu zertifizieren zu lassen.

In der Zeitschrift „Managerseminare“ konnten wir ein Interview über die Gründung des Fachverbands platzieren. Diesen Artikel missverstand eine Person so, als biete der Fachverband die einzige Möglichkeit in Deutschland, eine Anerkennung/ Zertifizierung als GFK-TrainerIn zu erhalten. Ohne sich bei uns oder der Zeitschrift zu vergewissern, ob ihre Vermutung stimmte, die ja nicht der Realität entsprach, übersetzte diese Person den Artikel ins Englische und schickte ihn ans CNVC. Bis heute hat sich diese Person uns nicht zu erkennen gegeben. Daraufhin entzog das CNVC – ebenfalls ohne Rücksprache mit uns – den CNVC zertifizierten Trainerinnen Ingrid Holler, Beate Brüggemeier und Gabriele Lindemann umgehend die CNVC Zertifizierung. Es wurde angeboten, diese Entscheidung rückgängig zu machen, wenn der Fachverband seine Aktivitäten sofort einstellt.

Damit hatte niemand von uns gerechnet. Wir waren fassungslos – denn wir hatten auf die GFK und Gespräche vertraut! Besonders betroffen waren diese drei Trainerinnen, die seit vielen Jahren ihr berufliches und viel ehrenamtliches Engagement der Verbreitung der GFK widmen. Der Forderung nach Auflösung/bzw. Einstellung der Aktivitäten wollten wir nicht nachkommen, wir sahen keinen Grund dafür. Der arbeitsfähige Fachverband gab uns Rückhalt in den Auseinandersetzungen, in denen wir auf die Kraft der Verbindung vertrau(t)en, in der auch Platz ist für unterschiedliche Strategien.

Seit 2013 gab es auf unsere Initiative hin mehrere Gespräche mit VertreterInnen des CNVC, insbesondere mit Rita Herzog, die das Zertifizierungsverfahren im CNVC entwickelt und betreut hat. Im Sinne von Verbindung haben wir diese Gespräche als sehr fruchtbar erlebt. Zur Fachtagung 2015 hat uns Catherine Singer, jetzige Vorsitzende des CNVC, ein Grußwort geschrieben. Wir pflegen weiterhin den Kontakt.

Was ist bis heute gelungen – was sind die nächsten Ziele?

Der Fachverband hat inzwischen einen festen Platz in der „GFK Landschaft“. Die Arbeit wird von vielen Mitgliedern mitgestaltet, durch die der Fachverband lebendig bleibt.

Unser Vorstand besteht jetzt aus acht gewählten Mitgliedern plus UnterstützerInnen im erweiterten Vorstand. Unser Wachstum und die daraus entstehende Komplexität der Arbeit hat Auswirkungen auf unsere Verbandsarbeit. Angestoßen durch einen Organisationsentwicklungsprozess haben wir nun Ressorts gebildet, die von jeweils zwei Vorständen verantwortlich geleitet werden (Mitglieder, Öffentlichkeitsarbeit, Anerkennung, Dienste). Wir befinden uns in einem gemeinsamen Lernprozess, der Freude macht, zur Entlastung beiträgt und den Fachverband weiter voranbringt. Die Arbeit in der Geschäftsstelle hatte 2015 zudem einen Umfang erreicht, der die ehrenamtliche Betreuung nicht mehr ermöglichte. Seit Mai 2016 haben wir mit Angela Schnelle eine kompetente Geschäftsstellenleiterin gefunden, die für diese Arbeit bezahlt wird.

Von ursprünglich sieben Gründungsmitgliedern sind wir inzwischen auf 141 Mitglieder (natürliche Personen) und 3 fördernde Organisationen (juristische Personen) gewachsen. Davon haben 34
TrainerInnen inzwischen unser Anerkennungsverfahren erfolgreich durchlaufen, vier KollegInnen befinden sich im Anerkennungsprozess. Die Rückmeldungen von anerkannten TrainerInnen auf
unserer Webseite zeigen uns, dass sich unser Anerkennungsverfahren bewährt und dass es geschätzt wird.

Die Anerkennungskommission besteht derzeit aus 8 Mitgliedern aus Deutschland und Österreich. Es gibt großes Interesse an unserem Anerkennungsverfahren. Das zeigen uns die inzwischen alle zwei Monate stattfindenden Telefonkonferenzen für Interessierte. Unser Ziel der Vernetzung von GFKInteressierten und –Aktiven verwirklichen wir dadurch und auch durch eine besondere Voraussetzung für unsere Re-Anerkennung: Es braucht dazu den Besuch von überregionalen Netzwerktreffen.

Wir haben bisher zwei überregionale GFK-Fachtagungen mit jeweils ca. 140 Teilnehmenden aus allen Bereichen der Gesellschaft durchgeführt. Die dritte Fachtagung mit dem Thema „(R)Evolution durch Empathie“ findet am 24. Juni 2017 in Stuttgart statt. Professor Joachim Bauer ist unser Keynote Speaker und die Schirmherrschaft übernimmt zu unserer großen Freude die Deutsche UNESCO-Kommission. Ein Zeichen dafür, wie der Fachverband und damit die GFK mehr und mehr in die gesellschaftliche Akzeptanz hinein gewachsen ist.

So verwirklichen sich unsere vier wichtigsten Anliegen und Ziele:

  • Die Qualitätssicherung bei der Weitergabe der GFK
  • die weitere Verbreitung der GFK
  • die Erschließung neuer Zielgruppen
  • die Vernetzung auf regionaler und überregionaler Ebene

Zusätzliche konkrete Ziele sind weiteres Wachstum des Verbands, Vernetzung und Austausch mit KollegInnen regional, bundesweit und weltweit, Kooperation mit dem CNVC, bzw. einer
Nachfolgeorganisation, Ausbau unserer Kooperationen sowie die Durchführung weiterer Fachtagungen.

Als Ausdruck vermehrter gesellschaftlicher Bekanntheit und Anerkennung der GFK werden wir uns weiterhin dafür einsetzen, bekannte Keynote-Speaker sowie Schirmherren und -damen des öffentlichen Lebens (nicht nur) für unsere Fachtagungen zu gewinnen.

Hier geht’s zur englischen Version.