Einfühlung

Was ist Einfühlung?

Was wäre die Gewaltfreie Kommunikation ohne Einfühlung! Jeder von uns besitzt diese Fähigkeit – die Voraussetzung dafür liegt in er Bereitschaft, sich voll und ganz einem anderen Menschen zuzuwenden. Und: Der einzige Grund, einfühlsam zu sein, ist das eigene Bedürfnis danach. Mit dieser Haltung gibt es keinen Helfer und keinen Hilfebedürftigen mehr, sondern zwei Menschen, die einander verbunden sind.

Weder Mitleid noch Ratschläge

Was auch immer den anderen Menschen bewegt – wenn Sie einfühlsam sind, kann Ihre eigene Betroffenheit im Wege stehen. Selbstmitteilungen („Das kenne ich …..“), Mitleid oder Trost lenken nur ab und stellen überdies Sie selbst in den Mittelpunkt des Geschehens. Wir tun uns oft schwer damit, die unangenehmen Gefühle eines anderen auszuhalten und geben schnell dem Impuls nach, etwas dagegen tun zu wollen. Dabei sind Gefühle an sich weder gut noch schlecht; sie haben ihre – manchmal lebenswichtige – Bedeutung und wollen „zu Ende gefühlt“ werden. Und selbst wenn es für Sie als Außenstehenden völlig auf der Hand liegt – es geht nicht darum, eine Lösung für ein Problem zu finden, sondern um den Prozess des Miteinanderteilens.

Für einen anderen dazu sein heißt, die eigenen Interessen zeitweilig nach hinten zu stellen. Auch wenn es gar nicht Ihre Absicht war – mit Bemerkungen wie z.B. „… so etwas Ähnliches habe ich auch schon erlebt“, sind Sie wieder bei sich und ihren eigenen Gefühlen gelandet und nicht bei denen des anderen. Solche Kommentare sind gut gemeint und sollen dem anderen Verständnis und Solidarität vermitteln – mit „echter“ Empathie haben sie jedoch nicht zu tun.

Wertfreie Anteilnahme – das bedeutet auch, dass Ratschläge fehl am Platze sind. Viel wichtiger sind zuhören und Nachfragen: Was fühlst du jetzt? Was brauchst du? Was Sie selbst in dieser Situation brauchen, sind Ihre Präsenz und Ihre Absicht, beim anderen zu bleiben. Vergessen Sie am besten alles, was Sie über die andere Person zu wissen glauben, und nähern Sie sich ihr mit einfühlenden Fragen.

Susann Pásztor, Klaus-Dieter Gens: Mach doch, was Du willst (Junfermann 2005)

Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders für das wir uns herzlich bedanken.