Vielleicht fragen Sie sich, ob Sie sich verletzlich zeigen, wenn Sie Ihre Gefühle mitteilen, gerade am Arbeitsplatz. Ich stimme Ihnen zu: Wenn Sie Ihre Gefühle aussprechen, zeigen Sie sich authentisch und vielleicht auch verletzlich. Aber ist es nicht gerade das, was uns Menschen miteinander in Verbindung bringt?
Eine der am häufigsten gestellten Fragen auf der Welt ist zum Beispiel: “Wie geht es dir?“ Und wie wird diese Frage beantwortet? Meistens doch nur mit der Floskel „gut“. Wer will wirklich wissen, wie es Ihnen geht? Und wie viel Zeit bräuchten Sie, um diese Frage aufrichtig zu beantworten?
Wenn Sie nicht der Top-Entscheider in Ihrem Unternehmen sind, dann sagen Sie sich vielleicht jetzt: “Das müsste doch von oben gelebt werden, die Treppe fängt man oben an zu wischen!“ Ich gebe Ihnen recht. Doch nicht in jedem Unternehmen gibt es eine Kultur von offener Kommunikation. Sie können nur bei sich selbst anfangen. Fragen Sie sich, was Sie möchten! Sie können ehrlich zu sich selbst sein, die eigenen Gefühle erkennen und zulassen. Sie können sich Entschleunigung erlauben und sich die Zeit nehmen, Ihre Gefühle zu spüren, um sich mit dem eigenen Leben zu verbinden. Sie können sich und Ihre erfüllten oder nicht erfüllten Bedürfnisse ansehen und in die Handlung kommen, die Ihre Lebensverschönerung dient.
Wenn Sie Ihre Gefühle fühlen, heißt das übrigens noch lange nicht, dass Sie diese Gefühle auch immer kommunizieren müssen. Die Psychoanalytikerin Ruth Cohn hat einmal gesagt: „Alles, was du sagst, sollte wahr sein. Aber nicht alles, was wahr ist, muss gesagt werden.
Vielleicht braucht das Aussprechen von Gefühlen, Schutz, Sicherheit und Vertrauen, das im Moment nicht vorhanden ist. Dann kommunizieren Sie Gefühlsworte, die für Sie stimmig sind. Dafür ist häufig das Wort „irritiert“ geeignet. Überlegen Sie sich einen Gefühlswortschatz, der für Sie in Ihrem Business-Alltag authentisch klingt.
Beate Brüggemeier: Wertschätzende Kommunikation im Business : wer sich öffnet, kommt weiter! Wie Sie die gewaltfreie Kommunikation im Berufsalltag nutzen (Junfermann 2010, S. 44-45)
Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders, für das wir uns herzlich bedanken.

