Eine Nahaufnahme von Händen, die sanft einen Knoten lösen, als visuelle Metapher dafür, wie man eine emotionale Verstrickungen auflöst.
KI generiert (Google Gemini)

Emotionale Verstrickungen

Die Skepsis gegenüber Gefühlsbenennungen hat noch einen weiteren Grund: Gefühle werden dazu benutzt, anderen die Verantwortung zu übertragen oder die Schuld zu geben. Dies geschieht sicherlich nicht bewusst. Es ist vielmehr eine Gewohnheit, die wir durch unsere Erziehung und von unserer Gesellschaft angenommen haben.

Beispiele:

„Ich bin verärgert, weil mein Mitarbeiter nichts auf die Reihe bekommt und zu spät in Meetings erscheint.“

„Das ist doch nicht meine Schuld. Ich hatte Anweisung von oben, so zu handeln.“

„Meine Chefin nervt mich, ständig will sie etwas anderes.“

„Er geht mir mit seiner Perfektion ziemlich auf die Nerven.“

„Es ärgert mich, wenn du dein Zimmer nicht aufräumst.“

„Ich bin unglücklich, wenn du so viel arbeitest.“

Solche Sätze erscheinen uns nur allzu natürlich. Wir machen uns gar nicht bewusst, dass es sich hier um eine emotionale Verstrickung handelt. Emotionale Verstrickung bedeutet: „Ich bin für meine Gefühle nicht verantwortlich. Mein Gegenüber oder eine Situation zwingen mich zu meinen Gefühlen.“

Merken Sie, wie Worte auf eine schuld-einflößende Art benutzt werden können? Auch in der Partnerschaft geschieht das schnell, wenn jemand zum Beispiel sagt: „Es macht mich traurig, dass du so wenig Zeit für mich hast.“ Man kann die Last förmlich spüren, die der eine Partner dem anderen mit diesem Satz auferlegt. Doch auch die Umkehrung: Ich bin glücklich, wenn du den Abend mit mir verbringst, macht den anderen verantwortlich für meine Gefühle: Auch wenn es sich positiv anhört, der andere bekommt die Verantwortung übertragen. Das ist das Gefährlichste an der emotionalen Verstrickung – sie kann so angenehm klingen.

Es geht darum, dass wir die Verantwortung für unsere Gefühle übernehmen und nicht andere dafür verantwortlich machen.

In der Wertschätzenden Kommunikation trennen wir dafür den Auslöser und den Grund der Gefühle voneinander. Der Auslöser ist die Situation oder eine Person, die etwas zu uns sagt. Der Grund für Ihre Gefühle ist jedoch Ihr erfülltes oder unerfülltes Bedürfnis, nicht das Verhalten anderer Menschen. Anders gesagt: Menschen können ein Auslöser für Ihre Gefühle sein, sie sind aber niemals der Grund dafür.

Beate Brüggemeier: Wertschätzende Kommunikation im Business : wer sich öffnet, kommt weiter! Wie Sie die gewaltfreie Kommunikation im Berufsalltag nutzen (Junfermann 2010, S. 39-40)

Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders, für das wir uns herzlich bedanken.