Giraffentanz

Einladung zum Giraffentanz

In der Gewaltfreien Kommunikation ist eine Bitte wie eine Einladung zum Tanz: Ich habe dir meine Gefühle und mein Bedürfnis mitgeteilt. Wirst du mir entgegenkommen? Was spricht dagegen? Was brauchst du selbst? Es geht nicht nur darum, der Erfüllung des eigenen Bedürfnisses näher zu kommen, sondern auch um die „soziale Verträglichkeit“ einer Bitte. Von daher sehen wir in einer abschlägigen Antwort keine persönliche Zurückweisung, sondern eine Chance für weitere Verhandlungen: Was brauchst du, um mir meine Bitte erfüllen zu können? Dazu gehört die Sichtweise, das Nein des Gegenübers immer auch als ein Ja zu etwas anderem zu sehen.

Die Kunst des Bittens dient nicht etwa der Vervollkommnung der eigenen Fähigkeit, eine Bitte so zu formulieren, dass sie auf jeden Fall erfüllt wird. Gerade das Wissen, dass der andere freiwillig – und aus seinem eigenen Bedürfnis heraus, beizutragen – Ja sagt, ist der entscheidende Punkt. Bitten, die aus Angst vor Bestrafung, aus Scham, Verpflichtung oder Schuld erfüllt werden, dienen keinem von beidem – weder dem Bittenden noch demjenigen, der gebeten wird. Dazu gehört auch das Erfüllen aus taktischen Gründen: aus dem Wunsch nach Lob, Belohnung, Anerkennung oder Liebe. Ein „um … zu“ als Motiv entspricht nicht dem Bedürfnis, zum Leben beizutragen, sondern ist eine Strategie, die andere Ziele verfolgt.

Nicht jeder Satz, der ein „bitte“ enthält, ist nach unserem Verständnis auch eine Bitte.

Susann Pásztor, Klaus-Dieter Gens: Mach doch, was Du willst (Junfermann 2005)

Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders für das wir uns herzlich bedanken.