„Es gibt nur zwei Arten von Gesprächen, die befriedigen: die verbale Fellpflege zwischen sprechenden Wesen mit und ohne Ehering, und den nicht allzu harmonischen, nicht allzu bösen Dialog, bei dem man eigene Gedanken durch den Widerstand des anderen klarer fasst.“ Peter Sloterdijk

Nach einem Jahrzehnt stiller Leidenschaft und sieben Jahren verbriefter Verbands-Verlobung wollte ich es wagen, wollte Anerkennung erringen. Weder Heiratsantrag noch Eheringe, doch meine klare Entscheidung stand, bereichernde Wahlverwandtschaften einzugehen. Zwei Jahre hat es gedauert, mein Verfahren. Sieben Konflikte habe ich beschrieben, alles und viel mehr hat das Anerkennungsteam gelesen und besprochen, manches doppelt und dreifach in gut einem halben Dutzend Konferenzen. Es waren verflixte, spannende, ereignisreiche Jahre.

Es gab und es gibt Fragen:
Was bedeutet Anerkennung? Was unterscheidet Anerkennung von Empathie? Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Selbst-Empathie und Selbst-Anerkennung? Wer erkennt wen wofür an und aufgrund welcher Kriterien? Schließlich: In welchem Verhältnis stehen Identität – Anerkennung – Authentizität?
Gibt es (Verbands-)Autorschaft ohne Autorität? Wie geht das, “nichts falsch machen” und doch nicht anerkannt werden, nicht weiterkommen? Gegen einen Strom anschwimmen? Ein Paradox, verkannte Aporie? Nein, alltägliche, normale Aufgaben, im Prinzip allerdings schwer auf den Punkt zu bringen. Kafka hätte seine Freude gehabt – vermutlich.
Warum diese akribische, minutiös penible Satz- und Wortsetz- und -seziererei? Denk- und Schreibarbeit mit spitzer Buchhaltungs-Feder. Re-Konstruktion lebendiger Dialoge am Pathologen-Tisch. Radikale Rationalisierung von Gefühlen und Emotionalität. Hat sich mein Verstand je so gequält mit Empfindungen, Vermutungen, “Verbindungen”?

Am Ende steht nun der Erfolg.

Ich möchte allen Mitgliedern im Anerkennungs-Team, insbesondere Ursula Grünewald-Bäumer und Andi Schmidbauer von Herzen danken für alle Zeit und Mühen, die sie auf sich genommen haben, sowohl für die Gespräche selbst als auch für die Vorbereitungen dafür. Ganz im Sinne der GFK, so meine Vermutung, war das Verfahren auch für sie “zwar einfach, aber nicht leicht”. Die Richtlinien halte ich für transparent, davon kann sich jede*r selbst leicht überzeugen. Der Teufel steckte – wie immer?- im lebendigen Detail.
Ich selbst empfand meinen Weg als nicht allzu harmonisch und war damit in meinem Element. Nicht nur, weil ich freien Jazz mag und Improvisation, Unvorhersehbares überhaupt, sondern weil ich an den Wert von Konflikten glaube, auch an das Lernen aus Brüchen und Erfahrungen, die sich nur am Rande von Gründen, Begründungen und Abgründen machen lassen.
Ich habe den Prozess als frei von jeglicher “Bösartigkeit” erlebt und war stets im Vertrauen. Dieses Vertrauen verdanke ich insbesondere einer frühen Begegnung mit Andi Schmidbauer. Selbst im Hintergrund hat er viel dazu beigetragen, dass ich im Verfahren wertvolle Traumschleifen durchwandern und meine Erlebnisse beim Erwachen immer wieder mit Freunden und Kolleg*Innen teilen konnte. Alles zusammen genommen hat mich der Fachverband, habt ihr mich durch eure freundschaftliche, zugewandte und ausdauernde Begleitung mit etwas beschenkt, was mir sehr wertvoll ist, der Möglichkeit nämlich, meine eigenen Gedanken präziser zu fassen und meine Fragen klarer zu stellen. Bereichernde Wahlverwandtschaft nenne ich das, im besten Sinn.
Damit, so meine Hoffnung, sind weitere Trittsteine gelegt, auf denen ich die GFK weitertragen und weiter entwickeln werde – nun mit Brief und Siegel.