Was wir brauchen

Was wir brauchen und wie wir es bekommen

Als Strategie bezeichnen wir die Art und Weise, wie wir uns ein bestimmtes Bedürfnis erfüllen. Theoretisch bietet uns jedes Bedürfnis eine Vielzahl von Möglichkeiten dafür. Praktisch sieht es jedoch oft so aus, dass viele Menschen nur eine einzige Strategie für ein Bedürfnis kennen oder anwenden wollen. Und genau hier wird es schwierig.

Konflikte entstehen nie auf der Bedürfnis-, sondern stets auf der Strategieebene. Oder anders gesagt: Nicht die unterschiedlichen Bedürfnisse zweier oder mehrerer Menschen sind das Problem, sondern die Art, wie sie sich diese Bedürfnisse zu erfüllen versuchen. Wer etwa sein Bedürfnis nach Ordnung nur mit einem perfekt aufgeräumten Schreibtisch und sauber ausgerichteten Schreibutensilien erfüllen kann, wird es vermutlich nicht leicht haben mit einem Mitarbeiter, dessen Bedürfnis nach Autonomie sich ausschließlich im kreativen Chaos ausdrückt. Wer nur die Strategie „Kollege X ist hier der einzige, mit dem ich zusammenarbeiten kann“ anwendet, um sein Bedürfnis nach Effektivität zu erfüllen, macht sich nicht nur abhängig von einer einzelnen Person, sondern wird immer wieder ein Problem bei der Kooperation mit Kollegin Y haben.

Je mehr Strategien einem Menschen für die Erfüllung seiner Bedürfnisse zur Verfügung stehen, umso angemessener kann er handeln, umso flexibler kann er reagieren – umso wahrscheinlicher ist, dass parallel dazu nicht nur sein eigenes, sondern auch das Bedürfnis des oder der anderen erfüllt werden kann. Das Erweitern des eigenen strategischen Handlungsrahmens lohnt sich also in mehrfacher Hinsicht.

Strategien sind ebenso wenig „gut“ oder „schlecht“ wie unsere Bedürfnisse – sie können in einem bestimmten Kontext mal mehr, mal weniger angemessen sein. Die Entscheidung für oder gegen eine bestimmte Strategie hat mit unseren individuellen Werten zu tun, die wie eine Art Filter zwischen den Bedürfnis selbst und unserer gewählten Strategie wirken. Individuelle Werte (oder Glaubenssätze) bringen unterschiedliche Strategien hervor – das Bedürfnis dahinter ist bei jedem Menschen gleich. Auch hier gilt: Konflikte entstehen dann, wenn wir das Verhalten (=Strategie) eines anderen Menschen nach unseren eigenen Wertmaßstäben beurteilen und nicht sehen, dass der andere lediglich versucht, sein Bedürfnis auf eine Weise zu erfüllen, die uns zunächst fremd oder gar „falsch“ erscheint.

Susann Pásztor, Klaus-Dieter Gens: Mach doch, was Du willst (Junfermann 2005)

Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders für das wir uns herzlich bedanken.