Bedürfnisse

Was wir brauchen ….

Aus der Sicht der Gewaltfreien Kommunikation sind Bedürfnisse Dreh- und Angelpunkt des Lebens: Ohne sie gäbe es keinen Anlass für Handlungen. Alles, was Menschen tun, soll letztendlich dem Erfüllen ihrer Bedürfnisse dienen – und das gelingt mal mehr, mal weniger gut.

Unter Bedürfnissen verstehen wir das, was alle Menschen zum Leben brauchen (= Bedarf). Dabei unterscheiden wir zwischen körperlichen Bedürfnissen wie etwa nach Ruhe, Sexualität oder Schutz, individuellen Bedürfnissen, z.B. nach Autonomie, Kreativität, Selbstverwirklichung und Integrität, und sozialen Bedürfnissen wie Zugehörigkeit oder Wertschätzung, zu deren Erfüllung wir andere Menschen brauchen. Diese Unterscheidung sagt nicht über die Relevanz der Bedürfnisse aus – sie sind gleichwertig und dienen allesamt dem Leben. Das heißt, dass es weder „gute“ noch „schlechte“ unter ihnen gibt. Wie wichtig oder unwichtig sie für den Einzelnen sind ist von der individuellen Bedürfnishierarchie abhängig: Wem beispielsweise Harmonie und Geborgenheit von großer Bedeutung sind, wird sich vermutlich bei seinen Handlungen seltener von seinen Bedürfnis nach Selbstbestimmung leiten lassen. Dann wiederum gibt es Situationen, in denen ein bestimmtes Bedürfnis spontan nach Erfüllung verlangt und alle anderen vorerst in den Hintergrund drängt. (….)

Auch wenn unser Bedürfnis nach Ruhe und Entspannung fordert, jetzt eine Pause einzulegen – es ist, wie alle anderen Bedürfnisse, unabhängig von bestimmten Zeiten, Orten und Personen. Dieser Umstand unterscheidet Bedürfnisse von Wünschen und Strategien: Sobald wir eine konkrete Handlung, eine bestimmte Person oder ein eindeutiges Bild im Zusammenhang mit unserem Bedürfnis im Sinn haben, sind wir bereits bei einem Wunsch oder einer Strategie angekommen.

Susann Pásztor, Klaus-Dieter Gens: Mach doch, was Du willst (Junfermann 2005)

Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders für das wir uns herzlich bedanken.