Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens

Dr. Marshall Rosenberg entwickelte die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) in den USA. Die Verbreitung im deutschsprachigen Raum haben wir maßgeblich Isolde Teschner und Klaus-Dieter Gens zu verdanken. Die GFK wird heute von vielen engagierten Trainerinnen und Trainern rund um den Globus weitergegeben und in der Klärung von Konflikten angewendet. Allen, die sich in diesem Sinne für ein friedliches Miteinander engagieren, an dieser Stelle ein herzliches Danke.

Ein kurzer Überblick

Gewaltfreie Kommunikation hat zum Ziel, die Anliegen aller Menschen zu berücksichtigen und so zu einem friedlichen Miteinander beizutragen. Was heißt das? Marshall Rosenberg nennt zwei Grundfragen:

  • Was bewegt uns im Augenblick?
  • Was können wir tun, um das Leben wechselseitig zu bereichern?

In der GFK geht es deswegen um einfühlsame Verbindungen:

  • Verbindung zu sich selbst, zu eigenen Gefühlen und Bedürfnissen
  • Verbindung zu anderen Menschen über deren Bedürfnisse und Gefühle.

Besonders in Konfliktsituation geht es darum, gewohnte Denkmuster zu verlassen. Auch wenn jemand schwer zu hörende Botschaften, wie zum Beispiel Kritik oder Vorwürfe äußert, steht dahinter letztendlich ein Versuch, eigene Bedürfnisse zu erfüllen.

Unsere gewohnten Sprachmuster bewirken jedoch meist, dass genau dies unmöglich wird. Hier setzt die GFK an, indem sie auch ein besonderes Augenmerk auf den sprachlichen Ausdruck legt. Statt „Sie sind aber unfreundlich“, könnte es sich dann so anhören: „Ich habe auf meine Fragen jetzt dreimal ein „nein“ gehört. Ich bin irritiert, weil ich gerne verstehen würde, was los ist. Sagen Sie mir bitte, was Sie brauchen, um in dieser Sache weitergehen zu können?“.

Das Menschenbild der GFK

Dabei geht die GFK von einem humanistischen Menschenbild aus. Der Mensch ist von Natur aus einfühlsam und bereit, zum Wohl anderer Menschen beizutragen. Auf der Ebene ihrer Bedürfnisse sind alle Menschen gleich: zum Beispiel braucht jeder von uns Anregung und Erholung, Gemeinschaft und Autonomie, Feiern und Trauern.

In der Geschichte der Menschheit haben sich Dominanzstrukturen entwickelt, die nach Kategorien wie „gut und böse“, „richtig und falsch“, „Belohnung und Strafe“ funktionieren. So entwickelte die Menschheit Arten des Denkens und Sprechens, die sie von ihrer eigentlichen Natur entfernte. Diese Art zu denken und zu sprechen fördert den Erhalt von Dominanzstrukturen und stellt die wichtigste Ursache von Gewalt dar. Die GFK versucht dagegen, Menschen wieder in Kontakt mit ihrer ursprünglichen Natur zu bringen. Dies bedeutet nicht, möglichst „nett“ zu allen Menschen zu sein, sondern sich möglichst offen, klar und authentisch auszudrücken.

Empathie ist ebenfalls ein zentraler Begriff in der GFK. Selbstempathie bedeutet, im Hier und Jetzt ganz im Kontakt mit den eigenen Bedürfnissen und Gefühlen zu sein. Empathie nach außen heißt, die Bedürfnisse und Gefühle anderer Menschen einfühlsam verstehen zu können. Dies bedeutet nicht, uneingeschränkt mit deren Handlungsweisen einverstanden zu sein.

Dr. Marshall B. Rosenberg

Marshall Rosenberg wurde am 06.10.1934 in den USA geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen in Detroit auf. 1943 erlebte er mit, wie schwere Ausschreitungen zu 40 Toten in der Nachbarschaft führten. Er erfuhr in Kindheit und Jugend Diskriminierung und Gewalt u.a. wegen seiner jüdischen Herkunft, erlebte aber auch Zuwendung und Mitgefühl. Rosenberg studierte Psychologie bei Carl Rogers. Er beschäftigte sich zunehmend mit den Fragen von Entstehung und Vermeidung von Gewalt. Insbesondere sah er einen starken Zusammenhang zwischen Gewalt und Sprache.

Seit den sechziger Jahren entwickelte er ein Kommunikationsmodell, welches er „Non-Violent Communication“, übersetzt „Gewaltfreie Kommunikation“ nannte. Er bezog sich dabei unter anderem auf die Arbeiten von Martin Buber und Mahatma Gandhi. Impulse erhielt er auch durch den Buddhismus. Rosenberg engagierte sich in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. 1984 gründete er das Center for Nonviolent Communication (CNVC). Er arbeitete mit seiner GFK in Alltagssituationen, Schulen, Gefängnissen und Krisenherden rund um die Welt. 2001 wurde sein grundlegendes Werk „Gewaltfreie Kommunikation“ erstmals auf Deutsch veröffentlicht. Marshall Rosenberg verstarb mit 80 Jahren am 07.02.2015.

Anwendungsbereiche der GFK

Die GFK gestaltet den Umgang mit dem Leben und damit das Leben selbst. So ist sie in allen Bereichen zu finden und findet dort immer mehr Verbreitung.

Die GFK nimmt dadurch zunehmend Einfluss auf gesellschaftliche Veränderungsprozesse: In Wirtschaft, Justiz, Politik, im Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswesen sowie in privaten Beziehungen. GFK ist beispielsweise integrierter Bestandteil von Studiengängen, Mediationsausbildungen und Führungs-programmen.

Die GFK gibt sehr praktikable Antworten

auf die Fragen, wie Sie

  • auch bei unterschiedlichen Vorstellungen und Meinungen in wertschätzendem Kontakt bleiben können.
  • in Konfliktsituationen aufrichtig und echt und gleichzeitig verbindend agieren können, so dass Verständigung wieder möglich ist.
  • Ihre Potenziale finden können, die Ihnen in herausfordernden Lebenslagen ermöglichen, neue Lösungen zu finden.

 

Literaturempfehlungen

Rosenberg, Marshall B.: Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens, Junfermann 2001

Rosenberg, Marshall B.: Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation. Ein Gespräch mit Gabriele Seils. Herder, 10. Auflage 2009

Rosenberg, Marshall B.: Die Sprache des Friedens sprechen. Junfermann, 2006

 

Zitate von Marshall Rosenberg

Das Ziel der GFK ist nicht, andere Menschen und ihr Verhalten zu ändern, dass sie sich so verhalten, wie wir es gerne hätten, sondern es geht darum, Beziehungen aufzubauen, die auf Aufrichtigkeit und Empathie beruhen und die möglichst die Bedürfnisse aller erfüllen.

Die Antwort auf die Frage nach der Ursache von Gewalt liegt in der Art und Weise, wie wir gelernt haben zu denken, zu kommunizieren und mit Macht umzugehen.

Das Spiel, das mir am meisten Spaß bringt, heißt „Das Leben wunderbar machen“. Die meisten Leute spielen „Wer hat Recht?“ und sie wissen nicht, dass es auch noch ein anderes Spiel gibt. „Das Leben wunderbar machen“ können wir auch mit Leuten spielen, die „Wer hat Recht?“ gewöhnt sind – niemand wird das weiter spielen wollen, wenn er die Wahl hat.