Schuldgefühle transformieren

Transformation von Schuldgefühlen (Teil 2)

Letzte Woche haben wir gesehen welche Möglichkeiten die Gewaltfreie Kommunikation bietet unsere Schuld-, Schamgefühle und Selbstvorwürfe zu transformieren, so dass wir in ähnlichen Situationen in der Zukunft unseren Bedürfnissen und denen anderer Menschen gerecht werden.

Hier lesen Sie ein weiteres Beispiel wie man das konkret umsetzen kann.

Beispiel II:

  1. Beobachtung: Was haben Sie getan, das Sie im Nachhinein bereuen?

Am Ende meiner Schulzeit gehörte ich zu einer Clique von fünf Jungs. Aus Gründen, die ich nicht mehr erinnere, wurde einer der Jungen von der Clique ausgeschlossen. Bis heute habe ich Schuldgefühle, dass ich ihn fallen ließ, obwohl ich nichts gegen ihn hatte.

  1. Was sind Ihre Urteile über sich und das, was Sie getan haben? Was sagen Sie zu sich oder was sagen Sie über sich?
    • Mein Verhalten ist nicht wieder gutzumachen.
    • Sicherlich ist diese Geschichte von damals der Grund dafür, dass ich heute so wenige Freunde habe. Es ist die Strafe dafür.
    • Ich habe versagt.
    • Ich habe meinen Freund verraten!
    • Ich war schwach.
    • Der hat mir doch gar nichts getan, und trotzdem habe ich ihn fallen gelassen, nur um zur Gruppe dazuzugehören.
    • Ich habe die Freundschaft unwiederbringlich zerstört. Es geschieht mir recht, dass Freundschaften nicht funktionieren.
    • Ich habe einfach nur gemacht, was die Clique wollte, und nicht selbst entschieden.
    • Alles ist vorbei.

Bedürfnisse dahinter:

    • Freundschaft
    • Autonomie
    • Treue
    • Verbindung
    • Aufrichtigkeit (ehrlich meine Meinung sagen)
    • Integrität
    • Echtheit

Gefühl:

Ich bin total traurig.

  1. Welches Ihrer Bedürfnisse versuchten Sie sich mit Ihrem Verhalten zu erfüllen?
    • Zugehörigkeit
    • Sicherheit
    • Anerkennung
    • Annahme
  1. Ich habe folgende Bitten an mich:
  1. Ich möchte auf diesen ehemaligen Freund zugehen und ihm sagen, was mich bezüglich dieser Geschichte von damals bewegt und wie leid mir das tut.
  2. Ich möchte aus dieser Situation lernen, dass ich mir die Zeit nehmen möchte, herauszufinden, was genau meine eigenen stärksten Bedürfnisse sind, statt mich einfach einer Cliquen-Meinung anzuschließen. Als Gedächtnisstütze dazu könnte meine anhaltende Traurigkeit über mein damaliges Verhalten dienen.
  3. Wenn mir beides (die Zugehörigkeit zur Gruppe und die Freundschaft zu dem Jungen) gleichermaßen wichtig ist, möchte ich beides ernst nehmen und beidem einen Platz geben.

Gerlinde Ruth Fritsch: Praktische Selbst-Empathie (Junfermann 2008)

Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders für das wir uns herzlich bedanken.