Transformation von Schuldgefühlen

Transformation von Schuldgefühlen

Zu Reue und Trauer transformierte Schuldgefühle sind ein Schlüssel zum tiefen Verständnis für andere Menschen und deren Unzulänglichkeiten.

Im Folgenden finden Sie eine Anleitung für die Transformation von Schuldgefühlen zu Reue und Trauer.

Beispiel I:

  1. Beobachtung: Was haben Sie getan, dass Sie im Nachhinein bereuen?

Mein Sohn ruft mich Heiligabend an und sagt, er kommt heute Abend nicht zum Fest, weil es ihm schlecht gehe. Ich sage daraufhin lediglich: „Und was mache ich jetzt mit dem ganzen Essen?“

  1. Was sind Ihre Urteile über sich und das, was Sie getan haben? Was sagen Sie zu sich oder was sagen Sie über sich?
    • Ich hätte das nicht sagen dürfen – sein Schuldgefühl wurde bestimmt dadurch noch größer!
    • Es ist wie jeden Heiligabend: wieder solch ein Desaster mit Schuld!
    • Das hat ihn mit Sicherheit verletzt, und das hätte ich wissen müssen.
    • Ich hätte auf ihn eingehen müssen.
    • Ich hätte Mitgefühl zeigen müssen.
    • Ich hätte mich zurücknehmen müssen.
    • Ich muss so eine Situation meistern können.
    • Ich bin eine schlechte Mutter.
    • Ich habe total versagt.

Auf welche unerfüllten Bedürfnisse weisen diese Urteile Sie hin? Welche Ihrer Bedürfnisse haben Sie mit Ihrem Verhalten nicht erfüllt?

    • Mütterliche Fürsorge
    • Guten Kontakt zu ihm

Welches Gefühl spüren Sie nun? Wenn Sie immer noch ärgerlich auf sich selbst sind oder Schuldgefühle verspüren, überprüfen Sie, mit welchem Bedürfnis Sie noch nicht voll und ganz verbunden sind.

Ich fühle mich …..

traurig.

  1. Welches Ihrer Bedürfnisse versuchten Sie sich mit Ihrem Verhalten zu erfüllen?

Ich war furchtbar enttäuscht und wollte ihm das nicht zeigen, damit er kein schlechtes Gewissen bekommt wegen seiner Absage. Ich wollte, dass er im Frieden und beruhige zu Hause bleiben kann.

Bedürfnisse:

    • Guten Kontakt zu ihm erhalten
    • Sein Leben schöner machen
    • Ihn vor einem schlechten Gewissen schützen
    • Liebe
  1. Was hätten Sie getan, wenn Sie alle Bedürfnisse (siehe Punkt 2 und 3) bedacht hätten? Welche Strategie könnten Sie in Zukunft in einer ähnlichen Situation anwenden, um allen Ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, damit mit Ihrem Handeln mehr Freude und weniger Leid einhergeht?

„Ich werde ihn heute noch anrufen und sagen, was ich eigentlich Heiligabend sagen wollte: „Ich spüre und höre, dass du dich schlecht fühlst und gerne zu Hause bleiben möchtest, um dich hinzulegen und Ruhe zu haben. Das ist in Ordnung für mich. Mir ist auch wichtig, dass du weißt, dass ich traurig bin, weil ich gerne den Abend mit dir verbracht hätte. Kannst du dir vorstellen, dass du am Wochenende nach Silvester zur mir kommst und wir dann gemeinsam schön essen und Zeit miteinander verbringen?“

Gerlinde Ruth Fritsch: Praktische Selbst-Empathie (Junfermann 2008)

Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders für das wir uns herzlich bedanken.