Strategien

Strategien-Ideenbörse

„Wir sind enorm reich und machtvoll. In jedem Moment haben wir das Potenzial, dem Leben zu dienen oder leben zu zerstören. Es gibt viele Entscheidungen zu treffen. Ich finde es wichtig, uns immer wieder der Macht unserer Worte und unserer Handlungen bewusst zu werden und uns die Frage zu stellen: Wie nutzen wir eigentlich all diesen Reichtum?“ – M. B. Rosenberg

Jegliches Handeln droht zu wildem Aktionismus zu verkommen, wenn nicht klar ist, welches Bedürfnis durch das Handeln versorgt werden soll. Nützliche Strategien zu finden erfordert Bewusstheit über das eigentliche Bedürfnis.

Nehmen wir einmal an, Sie sind in einer Dienstbesprechung und bemerken eine innere Unruhe und den Impuls wegzulaufen. Was steckt hinter Ihrem Verhaltensimpuls, den Sie registrieren, dem Sie jedoch (noch) nicht folgen? Sie erforschen sich und erkennen, was Sie stört und zum Weglaufen drängt – den Auslöser: Alle reden durcheinander, die Themen wechseln sich ab und werden nicht bis zum Ende ausgeführt. Was ist Ihr Bedürfnis hinter Ihrem Verhaltensimpuls? Sie sehnen sich nach Ruhe! Kaum nehmen Sie dies Bedürfnis nach Ruhe wahr, stellen Sie eine leichte, aber merkliche körperliche Entspannung fest – der Beweis, dass es sich um das zentrale unerfüllte Bedürfnis in dieser Situation handelt. Nun überlegen Sie, welche Strategien Ihnen einfallen, um dieses Bedürfnis gut zu versorgen:

  • Wirklich die Dienstbesprechung verlassen?
  • Nur kurz rausgehen (z.B. auf die Toilette) und sich wenigstens eine kleine Ruhepause gönnen?
  • Sich melden und mitteilen, wie es Ihnen geht und was gemäß Ihrem Wunsch im Restverlauf der Dienstbesprechung anders gemacht werden soll?
  • Schweigen und bleiben und sich innerlich ausklinken, indem Sie Ihren Tagträumen nachhängen (z.B. über jene wunderbare Wanderung neulich in abgeschiedener Natur)?
  • Oder schweigen und darüber trauern, dass Sie jetzt in dieser Situation nicht die Ruhe finden, die Sie sich wünschen (und sich vornehmen, am Abend ausgiebig für Stille zu sorgen)?

Um gut für die eigenen Bedürfnisse sorgen zu können, brauchen Sie große Klarheit:

  • Welches Bedürfnis soll versorgt werden?
  • Welche spezifische Strategie könnte dazu beitragen, dass Ihr Bedürfnis erfüllt wird?
  • Was können Sie selbst konkret für Ihr Bedürfnis tun?
  • Worum genau können Sie andere bitten, damit Ihr Bedürfnis erfüllt wird?
Je größer und vielfältiger Ihr Strategierepertoire ist, desto besser können Ihre Bedürfnisse erfüllt werden.

Gerlinde Ruth Fritsch: „Praktische Selbst-Empathie“ (Junfermann 2008)

Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders für das wir uns herzlich bedanken.