Führungskraft

Selbst-Empathie bei Wut auf andere

Wenn man wütend ist und andere strafen verletzen, schädigen oder beschuldigen möchte, entsteht diese Wut durch verurteilendes Denken:
richtig/falsch
in Ordnung/nicht in Ordnung
gut/böse
recht haben/nicht recht haben
normal/unnormal etc.

Durch diese Art des Denkens wird das ursprüngliche, unmittelbare erste Gefühl übersprungen. Zu diesem primären Gefühl bekommen Sie wieder Kontakt, wenn Sie das unerfüllte Bedürfnis erfassen.

Beispiel I:

  1. Notieren Sie den Auslöser für Ihre Wut: Was genau geschah, was löste Wut in Ihnen aus?

Ich bin von der Firma auf eine Schulung für ein neues Produkt geschickt worden. Als ich es in der Firma vorstelle, bekomme ich eine Zusage, dass wir es vertreiben werden. Am nächsten Tag wird die Zusage zurückgenommen.

  1. Notieren Sie alle Gedanken (Interpretationen, Bewertungen, Urteile, Vorwürfe, Fantasien, Annahmen), die Ihnen in den Sinn kommen – diese sind die Ursache Ihrer Wut. Je umfassender Sie Ihre inneren Bewertungen und Verhaltensimpulse erfassen desto leichter wird Ihnen der Zugang zu Ihren Gefühlen und Bedürfnissen fallen.
    • Der Chef hat keine Vision
    • Er lügt konstant
    • Er bescheißt mich um meine Provision, die ich durch das Produkt bekäme.
    • Da steckt bestimmt der Kollege X dahinter – der will Chef werden und boykottiert alle möglichen Aufsteiger in der Firma
    • X ist falsch und faul!
    • Der intrigiert!
    • Der lügt!
    • Es hat keinen Zweck mich in diesem Laden zu engagieren.
    • Ich bin der Arsch der Gruppe.
  1. Versuchen Sie nun herauszufinden: Welche Bedürfnisse stecken hinter Ihren Urteilen und Ihrer Wut? Wonach sehnen Sie sich in der Situation? Welches Bedürfnis wäre dann erfüllt? Sie sind bei dem eigentlichen Bedürfnis angekommen, wenn Sie eine körperliche Entspannung spüren. 
    • Etwas Neues schaffen
    • Ökonomische Sicherheit
    • Wirksamkeit
    • Verantwortung
    • Unterstützung
    • Ziel/Sinn für meine Arbeit
    • Ehrlichkeit
    • Zusammenarbeit
    • Wertschätzung 

4. Welche Gefühle entstehen in Ihnen, wenn Sie erkennen, dass diese Bedürfnisse unerfüllt sind? (=welche Gefühle stecken hinter Ihrer Wut?)

Ich bin …..

    • enttäuscht
    • hoffnungslos
    • resigniert
    • frustriert
  1. Was können Sie nun ganz praktisch tun? Finden Sie eine Strategie/eine Bitte, die Ihr Bedürfnis in der Situation erfüllen könnte. Ihre Bitte kann sich an Sie selbst, die andere Person oder Dritte richten.

Ich habe die dringende Bitte an mich, mir einen neuen Arbeitsplatz zu suchen, in dem meine Bedürfnisse nach visionärem Arbeiten, Zusammenarbeit und Wertschätzung erfüllt werden. Ich werde heute noch ins Internet gehen und dort nach einer neuen Stelle Ausschau halten.

Überprüfen Sie nun, ob die Strategie dazu geeignet ist, das oben genannte Bedürfnis bzw. die oben genannten Bedürfnisse zu befriedigen: Ist das, was Sie formuliert haben konkret, positiv formuliert und machbar? Und würde es Ihnen genau das geben, was Sie brauchen? (Dies bemerken Sie an der körperlichen Entspannung.) Wenn nicht, suchen Sie nach einer anderen Strategie.

Gerlinde Ruth Fritsch: Praktische Selbst-Empathie (Junfermann 2008)

Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders für das wir uns herzlich bedanken.