Schuldgefühle

Selbst-Empathie bei Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen

„Wir machen niemals etwas falsch. Wir haben nie etwas falsch gemacht. Wir werden niemals etwas falsch machen. Wir tun Dinge, die wir nicht getan hätten, wenn wir damals gewusst hätten, was wir jetzt gerade lernen.“ – M.B. Rosenberg

„Ich unterscheide Trauern von Entschuldigungen. Wenn ich mich entschuldige, gebe ich zu, dass ich ein schrecklicher Mensch bin und Strafe verdient habe. Wenn ich trauere, dann gehe ich auf eine viel tiefere Ebene in mir, Ich setze mich mit meinem eigenen Schmerz auseinander.“
M.B. Rosenberg

Wie gehen Sie mit sich um, wenn –sie im Nachhinein bereuen, wie Sie sich verhalten haben? Beschuldigen Sie sich? Klagen Sie sich an? Oder versuchen Sie sich zu rechtfertigen und jegliche Verantwortung für Schaden, der durch Ihr Zutun entstanden ist abzuwehren? Beschuldigen Sie andere im verzweifelten Versuch, sich der eigenen Schuldgefühle zu entledigen?

Zugegebenermaßen ist es schmerzlich zu erleben, dass das konkrete Verhalten von den eigenen Idealen abweicht, feststellen zu müssen, dass man nicht so großartig ist, wie man es gerne wäre.

Ziel der Selbst-Empathie bei Schuldgefühlen ist, aus den eigenen Unzulänglichkeiten und Begrenztheiten zu lernen, ohne Depressionen oder andere Gewalt gegen sich selbst oder andere zu entwickeln, von sich selbst zu lernen, ohne sich zu hassen oder sich abzulehnen und ohne die Selbstachtung zu verlieren.

Man kann achtungsvoll aus den eigenen Begrenztheiten lernen, wenn man bereit ist, den Schmerz, die Enttäuschung über eigenes Verhalten und das Abweichen von den persönlichen Wertvorstellungen und Idealen zuzulassen, die schmerzhafte Differenz zwischen Anspruch und Realität auszuhalten. Dann kommt man in Kontakt mit der eigentlichen tiefen Traurigkeit hinter den Schuld- und Schamgefühlen. Trauer wandelt Menschen, denn sie hat mit Liebe zum Leben zu tun. Schuld- und Schamgefühle haben jedoch häufig eine lebensvernichtende Wirkung, weil sie durch Selbstverurteilung und Selbstvorwürfe zustande kommen. Aus der Trauer über die eigene Begrenztheit jedoch entsteht die Kraft zu wachsen und anders, tief greifend gewandelt, weiterzulegen – gereifter und verständnisvoller als zuvor.

Gerlinde Ruth Fritsch: Praktische Selbst-Empathie (Junfermann 2008)

Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders für das wir uns herzlich bedanken.