Gefühl

Seine Ansicht zu vertreten ist ein Ausdruck von Liebe

Bevor ich Gewaltfreie Kommunikation lernte, habe ich Dinge aufgeschoben. Ich dachte dann: „ Ach, es ist doch nicht so schlimm. Ich komme darüber hinweg.“ Es hat dann ein paar Tage, Wochen oder sogar Monate in mir geköchelt. Dann bin ich vor lauter Frustration explodiert. Explodieren hieß, dass ich andere anschrie oder sie einfach aus meinem Leben ausschloss. All das, weil ich nicht den rechten Augenblick fand, um meine Gefühle auszudrücken, oder weil ich mir Sorgen machte, wie der andere die Aussage aufnehmen würde. Dieser Prozess war völlig unproduktiv und schmerzhaft für alle Beteiligten. Ich machte aus einer Mücke einen Elefanten, indem ich nicht gleich meine Ansicht vertrat. Heute weiß ich: Wenn man über etwas spricht, solange es noch keine große Sache ist, verhindert man in den meisten Fälle, dass es eine wird. Ob ich manchmal besorgt bin, dass meine Ehrlichkeit beim anderen Schmerz hervorruft? Absolut. Aber ich weiß ebenso, dass ich noch viel mehr Schmerz erzeuge, wenn ich es nicht ausspreche, was ich meine. Für mich einzustehen erfüllt meine Bedürfnisse nach Liebe und Respekt. Wenn ich mit den Menschen in meinem Leben ehrlich bin, zeige ich ihnen damit meine Liebe und meinen Respekt für sie. Ich zeige, dass mir die Beziehung wichtig ist und dass ich unsere Verbindung aufrechterhalten will.

Sprechen Sie heute im gleichen Moment, in dem Sie genervt, verletzt, enttäuscht oder wütend sind, alles offen aus, um Ihre Liebe zu sich selbst und zum anderen zu zeigen.

Mary Mackenzie: In Frieden leben (Junfermann 2007)

Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders für das wir uns herzlich bedanken.