Gefühle benennen

Nicht „baden“, sondern benennen

Gefühle hatten in unserer Gesellschaft immer wieder einen unterschiedlichen Stellenwert. Bei „richtigen“ Männern lange Zeit verpönt und stattdessen den „emotionalen“ Frauen zugewiesen, standen sie einer beruflichen Karriere meist im Weg, bis vielleicht ein Herzinfarkt oder ein Burn-out-Syndrom sie wieder ins Gespräch brachten. Die Erkenntnis, wie wichtig das Wahrnehmen und Ausdrücken von Gefühlen für unser Leben sind – und wie teuer uns ihr Unterdrücken zu stehen kommt -, führte vorübergehend zur Trennung von Kopf und Bauch („Ich habe da so ein Bauchgefühl ….“) und sorgt dafür, dass bei gegebenen Anlässen in Gefühlen „gebadet“ wurde, statt sie einfach zu benennen.

Ob Erziehung oder genetischer Code – Frauen haben meist einen leichteren Zugang zu ihren Gefühlen. Das ändert jedoch nichts daran, dass Männer sie im gleichen Umfang haben und von ihnen beeinflusst werden: Es gibt weder typisch männliche noch typisch weibliche Gefühle. Das Gleiche gilt für unsere Bedürfnisse – lediglich bei manchen Strategien, mit denen wir sie uns erfüllen, kann es geschlechtsspezifische Gemeinsamkeiten geben.

Unsere Gefühle sind da, ob wir sie willkommen heißen oder nicht. Sie tauschen nicht nur beim Anschauen sentimentaler Filme oder bei einem Dinner bei Kerzenlicht auf, sondern auch in Teambesprechungen, bei Verkaufsverhandlungen, Kundengesprächen oder Telefonkonferenzen. Und sie entfalten ihre Signalwirkung besonders dann, wenn Gewalt ins Spiel kommt – also all jene trennenden Sprachmuster, die wir Ihnen bereits vorgestellt haben. (….)

Das Reden über Gefühle bedeutet nicht notwendigerweise eine ausführliche Darstellung der emotionalen Befindlichkeit mit anschließender Diskussion. Die eigenen Gefühle beim Namen zu nennen ist vielmehr eine sinnvolle Information für den Gesprächspartner, eine Art Standortbestimmung. Voraussetzung dafür ist allerdings, gleichzeitig den Auslöser und das dazugehörige Bedürfnis zu benennen, möglichst verbunden mit einer bitte an den anderen: Voilà – und damit sind wir wieder bei den berühmten vier Schritten angekommen.

Susann Pásztor, Klaus-Dieter Gens: Mach doch, was Du willst (Junfermann 2005)

Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders für das wir uns herzlich bedanken.