Unterstellungen

Am Anfang war die Unterstellung…

Nichts gegen Intuition oder „Bauchgefühl“. Ganz im Gegenteil – es lohnt sich, dieser inneren Stimme zuzuhören. Schwierig wird es erst dann, wenn wir ihr die Definitionsmacht übertragen, ohne uns beim anderen rückzuversichern – und um den geht es schließlich. Unsere kleine innere Stimme kann in der Vergangenheit noch so viele Volltreffer gelandet haben, sie gehört trotzdem zunächst ins Reich der Hypothesen. Bauen wir unsere Kommunikation auf unseren Annahmen auf, wird aus einem intuitiven Impuls schnell eine Unterstellung. Und die wiederum kann, (…) die Gesprächspartner nachhaltig voneinander trennen.

Belehren und Besserwissen

Selbst wenn es um unwiderlegbare Fakten geht – wer jemanden eines Besseren belehrt, trennt meistens die Verbindung. Recht zu behalten mag vordergründig eine gewisse Befriedigung nach sich ziehen, der Wunsch danach zeigt lediglich, wie ausgeprägt das eigene Bedürfnis nach Sicherheit ist – und wie unerfüllt. Marshall Rosenberg fasste es in der Frage zusammen:

„Willst du Recht behalten oder glücklich sein? Beides gleichzeitig geht nicht.“

Denn selbst wenn man einiges von ihnen lernen könnte – Besserwisser werden mit ihren Kenntnissen kaum bei anderen landen können. Wer andere ungefragt belehrt, ohne zuvor eine einfühlsame Verbindung zu ihnen hergestellt zu haben, vermittelt ihnen: Ich weiß, was Sache ist – und du bist doof. Das wiederum kann Abwehr, Frustration oder Aggressivität hervorrufen, aber in den seltensten Fällen das, was die gewünschte Reaktion des Belehrten auf die Botschaft sein sollte: Hey, du hast ja wirklich Ahnung!

Susann Pásztor, Klaus-Dieter Gens: Mach doch, was Du willst (Junfermann 2005)

Wir veröffentlichen den Auszug aus diesem Buch mit Einverständnis unseres Kooperationspartners Junfermann Verlag. Für uns ist dies Ausdruck eines gelebten Miteinanders für das wir uns herzlich bedanken.